Bindungsängste in der heutigen Zeit

Seit über 20 Jahren arbeite ich mit Kindern und Jugendlichen, unterrichtete auf allen Schulstufen verschiedene Bildungsniveaus in der Schweiz und war nebenbei aufgrund mitgebrachter Erziehungslücken immer gleichzeitig am Erziehen. So habe ich in unzähligen Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen viel über ihr Denken, Fühlen und Handeln zum Thema Beziehungen erfahren. Oft war ich eine vertraute (Lehrpersonen stehen unter Schweigepflicht) Anlaufstelle für alle möglichen jungen Menschen. Was sich jedoch in der aktuellen Zeit angebahnt hat ist erschreckend:

Kürzlich äusserte die 20-jährige Tochter meiner Schwägerin, es sei unheimlich schwierig, einen Jungen zu finden, der sich binden wolle. Die allermeisten Jungs seien nur auf Freundschaft-Plus aus (Freunde sein plus Sex) und würden sich nicht für mehr interessieren. Dies sei sehr frustrierend. Dieses Phänomen zeigt sich überall bei der heutigen Jugend. Eine auf Distanz und Misstrauen basierende, sich nicht binden wollende auf sexuelle Tätigkeit beschränkende "Kollegschaft" – Freundschaft kann ich das nicht nennen. Dieses sich ja nicht auf eine Beziehung einzulassen wollende Einstellung beginnt bereits im Primarschulalter, wo die Kinder widerspiegeln, was ihnen die Erwachsenen vormachen. Echte Zuneigung, Liebe, wahre Zärtlichkeit und vertrauensbasierte Intimität bleiben bei solch oberflächlicher Übereinkunft völlig auf der Strecke – mit verheerender Auswirkung – auf die Beziehungsfähigkeit.

 

Woher kommt diese offensichtliche Bindungsangst? 

Mann und Frau mit BindungsängstenKinder haben in jungen Jahren keine andere Möglichkeit als sich an ihren Bezugspersonen zu orientieren. Wie diese Erwachsenen sich auch verhalten, sie bieten den Kindern als Einzige Schutz, Nähe, Trost und Hilfe. Kinder sind darauf angewiesen, dass Erwachsene ihnen zeigen, wie das Leben funktioniert und dass diese für sie da sind, zu allen Zeiten. 

Wenn Bezugspersonen diesen Schutz nicht bieten, wenn sie Kinder zurückweisen, keine tiefe Bindung zu ihnen aufbauen oder nicht zur Verfügung stehen, bedeutet dies für das Kind, dass es sich auf diese Personen nicht verlassen kann. Bindung ist für das Kind etwas Unsicheres, Bruchstückhaftes. Das Kind beginnt zu misstrauen. Daraus resultiert oft auch Angst, dass die Bezugspersonen gerade dann nicht verfügbar sind, wenn es sie dringend bräuchte. Diese Unsicherheit und Unberechenbarkeit der Bezugspersonen kann dazu führen, dass Kinder es ein Stück weit vermeiden, tiefere Beziehungen einzugehen.

Abgesehen davon, dass die Beziehungen, die ein Kind von frühester Kindheit auf erfährt hat die grössten Auswirkungen auf das gesamte Leben und Beziehungsverhalten eines Kindes haben, deuten auch einige Studien darauf hin, dass die Ziele eines Menschen von Beziehungssicherheiten bzw. -unsicherheiten beeinflusst werden, die dieser erlebt hat. 

Hinzu kommt der heutige übermässige Konsum der "sozialen Medien" wo Freiheit und Unabhängigkeit oft damit verwechselt werden mit «Beziehungen» zu möglichst vielen, wenn auch unpersönlichen «Freunden». 

In einem gewissen Sinne in sich stimmig ist es dann auch, wenn unter Liebe Sex verstanden wird, und wenn man sich diesen möglichst umgehend und ohne «lästiges» Beziehungsgedöns via online-Portale holt.

Unzählige offene Gespräche mit Frauen und Männern über diese Themen sowie meine eigenen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass das wahre Glück IN einer Beziehung und nicht AUSSERHALB davon gefunden wird. Schliesslich haben die sogenannten "Players" dann doch eine EINZIGE Frau gefunden und haben daraufhin verkündet, sie seien noch nie so glücklich gewesen. 

Die Jugend ist auf der Suche. Ganz besonders während dieser emotional intensiven Zeit mit ständigem Gemütswechsel und wechselnden Idealen gepaart mit einer gewissen ständigen Orientierungslosigkeit suchen diese jungen Menschen Nähe und Sicherheit. Diese Neigung, sich nicht binden zu wollen ist meiner Meinung nach nicht ehrlich. Natürlich brauchen diese Jugendlichen mehr Nähe und mehr Vertrautheit und Zuwendung als alle anderen Erwachsenen - und sie haben meiner Einschätzung nach einfach Angst, verletzt zu werden. In dieser "oberflächlichen" Welt des digitalen Alltags und des unaufhörlichen Konsums haben die Jungen dieser Welt die Orientierung verloren - viele orientieren sich an irgendwelchen "Influencern" die eine einzige gefälschte Darstellung ihres Selbst sind - oft verkündend: "Ich brauche keine Beziehungen - ich bin cool und kann mir nehmen was, wen und wann ich will".  

 

Wo führt dieser Trend sich nicht zu binden hin?

Wenn ich meine Primarschüler frage, wie es ihnen geht, was ihnen wichtig ist, und wenn sie mir erzählen, was sie denken und fühlen, merke ich, dass die meisten von ihnen noch völlig "unverdorben" sind. Sie haben grösstenteils noch eine gesunde Vorstellung von Partnerschaft und Beziehung, wünschen sich bereits jetzt für später eine Familie, sprich Partner und Kinder und haben eine "natürliche" Vorstellung was die Liebe betrifft. Meist prasselt der negative Einfluss eines gestörten Sexualverhaltens erst auf der Oberstufe auf sie ein.

Es ist daher wichtig, dass die Mädchen bereits vor dem Übertritt in die Oberstufe darauf vorbereitet werden, dass möglicherweise Jungs sie zu Sex überreden wollen, und wie sie sich vor Manipulation schützen können. Meine sechsjährige Erfahrung auf der Oberstufe hat mir gezeigt, dass kein Mädchen nur kruden Sex OHNE zugrundeliegende tiefe Beziehung haben will. Die jugendlichen Mädchen möchten nicht auf ihren Körper reduziert werden, sie möchten im ihrem Sein erkannt und anerkannt werden, sie möchten geliebt werden.

Die gesellschaftlich geförderte und vermittelte «Freiheit» ist verkappte Bindungsangst und hat für die Jugendlichen enorme negative Folgen. Eine der Folgen ist Gefühlskälte gegenüber sich selbst und anderen, die Liebe und Wärme bleiben aussen vor, was zu Abstumpfung und mindestens latenter Depression führt. 

 

Woher kommt nun dieser Trend der oberflächlichen "Beziehungen"?

In meiner Jugend waren wir noch nicht ständig in der Online-Welt unterwegs, mussten nicht jeden Schritt, jeden Urlaub, jede zweite Mahlzeit mit der Welt teilen in der Hoffnung auf noch mehr Likes. Wir waren so wie wir waren, mussten uns nicht auf Plattformen irgendwie darstellen oder verfälschen und uns demzufolge auch nicht ständig vorstellen, wie wir uns selbst darstellen wollten. Wir haben einfach gelebt und geliebt (und gelitten)!

Ich empfehle allen Menschen erst einmal "Digital Detox", auch ein neuer Trend - den finde ich einfach super! Wo sonst als in der Stille können wir unsere leise Stimme in uns selbst hören, die unsere Verbindung zu unserem Höheren Selbst ist (das Gegenteil von unserem "äusseren Selbst", welches sich immer darstellen muss), diese Stimme, die schliesslich immer Recht hat?

Wo die Jugendlichen im Äusseren suchen, nämlich in der verwirrenden und verworrenen, unverlässlichen Welt der "sozialen Medien" - wo sie Orientierung, Halt, Nähe und Sicherheit suchen, I am sorry, aber dort werden sie bestimmt nicht finden, was sie wirklich glücklich macht. Leider haben so viele Menschen darin versagt, ein aufbauendes, verlässliches, positives Vorbild für unsere Kinder und Jugendlichen zu sein und haben vielleicht ganz vergessen, dass zu ihnen hochgeschaut wird und dass sie nachgeahmt werden. 

Wir sind alle Vorbilder und verantwortlich für alles was wir tun, ob wir es wollen oder nicht - auch für unseren Einfluss auf unsere Mitmenschen.

 

Das Gesetz von Ursache und Wirkung in Beziehungen

Das unumstössliche Gesetz von Ursache und Wirkung besagt, was hinausgeht, kehrt zurück. Sende ich Positives hinaus, kehrt Positives zu mir zurück. Das kann und wird auf unser gesamtes Verhalten, jedoch auch auf unsere Gedanken und Gefühle bezogen. Wie sonst sollten wir lernen wenn nicht durch die Anwendung dieses Gesetzes? Wenn wir aufbauend denken haben wir aufbauende Gefühle und ziehen aufbauende Menschen und Situationen an. 

Wenn wir tratschen, negativ über andere Menschen denken und fühlen, ziehen wir von dem, was wir nicht mögen, noch mehr an. Oder haben Sie schon einmal eine Tratschtante mit lauter aufbauenden, glücklichen Kontakten erlebt? Andersherum - sind wir so intelligent, dieses positive Mindset zu erkennen und anzuwenden - ziehen wir mit aufbauenden, anderen Menschen gegenüber positiven Gedanken und Gefühlen noch mehr positive Menschen an. Wir ziehen bekanntlich an, was wir denken und fühlen. 

  • Habe ich Ängste, ziehe ich noch mehr Ängste an.
  • Bin ich mir meiner Ängste bewusst und überwinde sie, mache ich Schritte hin zur Liebe und ziehe Liebe an
  • Liebe ist das Gegenteil von Angst
  • Angst macht nicht glücklich, sondern ängstlich
  • Liebe kennt keine Bindungsangst
  • Liebe kennt keine Angst
  • Liebe ist nur aufbauend
  • Liebe verurteilt nicht und konkurriert nicht
  • Ich ziehe an, was ich denke und fühle
  • Wie ich andere Menschen behandle, so werde ich behandelt
  • Was ich gebe, kehrt zu mir zurück

 

Die leise Stimme im Inneren spricht ständig zu uns

Und sie sagt uns, wie wir uns verhalten sollen, ob das, was wir tun richtig oder falsch ist. Sogar im Voraus! Wir alle hatten bestimmt etliche Male die Erkenntnis: "Ich habe es doch gewusst!" Und dann ärgern wir uns je nach "Härtegrad" der Situation darüber, dass wir nicht auf unser "Gewissen" gehört haben. 

Fragen Sie Ihre innere Stimme - die leise! Was sagt sie Ihnen zum Thema "Freundschaft Plus"? Ist dies, was unseren Kindern für ihre Zukunft vermittelt werden sollte - tu was du willst, konsumiere dich querbeet durchs Leben, Hauptsache deine Bedürfnisse sind befriedigt und deine "Freiheit" ist gewahrt? Nun, mit Freiheit hat die Befriedigung von Bedürfnissen oder Süchten wahrlich wenig zu tun.

Wir haben jedoch die Freiheit der Wahl. Kennen wir das Gesetz von Ursache und Wirkung und sind wir noch ein bisschen bei Sinnen, wählen wir nicht, was uns schadet. Was schadet uns? Es ist einfach: Alles, was aufbauend ist, ist positiv und tut gut, macht glücklich, lässt uns lieben und lachen. Alles, was abbaut führt, in einer Negativspirale nach unten und macht uns unglücklich. 

Beispiele:

  • Pornographie stumpft ab und führt zu sexuellen Störungen
  • Ausserdem ist Pornographie nicht ehrlich – die dargestellten Gefühle und Situationen entsprechen nicht der Realität – und schlicht ein Fake!
  • Liebe und Sex sind nicht dasselbe - jedoch in Reinheit (Liebe) ausgeführter Sex ist etwas Wunderschönes und baut auf
  • Sex ohne Liebe macht nicht glücklich – die lieblose Befriedigung von Lust ist Frust.
  • Liebe baut auf
  • Angst baut ab - also ist die Tendenz sich nicht binden zu wollen für die Beziehungskompetenz bestimmt nicht förderlich, sondern macht noch mehr "assozial"
  • Bindungslosigkeit bedeutet nicht Freiheit sondern Verantwortungslosigkeit und macht definitiv nicht glücklich

 

Bindungsangst auflösen

Wir entscheiden immer selbst, wägen anhand unserer Vorbilder, Ideale, all der Beispiele unseres Umfeldes und unserer Kindheit ab, wie wir uns verhalten wollen. Bindungsängste können sich auflösen, wenn wir uns entscheiden, nicht in unserem Opferverhalten zu verharren, sondern wenn wir uns für das Aufbauende entscheiden - wenn wir uns wie die Vorbilder verhalten, die wir vielleicht nie hatten. Denn Ängste können überwunden werden. Halten wir das Augenmerk auf die positiven Vorbilder, die es überall um uns durchaus gibt, erkennen wir, dass Bindung mit Verantwortung, Hoffnung, Vertrauen auf die Zukunft und uns selbst einhergeht – Bindung ist ein Ja zum Leben!

In unserem E-book finden Sie alles, was Sie benötigen, um erfolgreiche, glückliche Bindungen einzugehen und aufrechtzuerhalten. Und nicht nur dies! Sie erhalten ein praxiserprobtes, funktionierendes System und eine weiterführende Anleitung, um letztlich in ALLEN LEBENSLAGEN UND BEZIEHUNGEN ERFOLGREICH UND LANGFRISTIG GLÜCKLICH ZU WERDEN. Möge alles Glück der Welt mit Ihnen sein!

Weitere Blogbeiträge:

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