Respekt - Wichtigste Säule einer jeden Beziehung

Respekt in der Phase des Verliebtseins

Zu Beginn einer Beziehung werden wir auf Händen getragen, verbringen wir die Zeit damit, uns das Gehirn zu zermartern, wie wir den Partner glücklich machen könnten. Es gibt dann nichts Schöneres, als uns eine weitere Liebeserklärung auszudenken um dann in das Gesicht des Angebeteten zu schauen und die Reaktion auf unsere Bemühungen zu sehen. 

 

Blind vor Liebe

Respekt in der BeziehungWährend dieser aufregenden und wahrscheinlich einer der intensivsten und unvergesslichsten Zeit einer Beziehung - der Phase des Verliebtseins - stecken wir all unsere Energie, unseren Ideenreichtum und unsere Kreativität in unser neues "Projekt", unsere neue Beziehung. Wir geben unser Allerbestes, zeigen uns von der schönsten Seite, putzen uns heraus und sind auch von der moralischen Seite höchst vorbildhaft, respektvoll, grosszügig, schmeichelhaft. Nichts ist uns wichtiger als dass es unserer neuen Eroberung gut geht, dass wir sie zum Lachen bringen und ihr das Leben erleichtern, sie in allem unterstützen und für alles eine Lösung finden. Diese erste Phase der Partnerschaft macht uns oft "blind vor Liebe". Wäre in dieser Phase der respektvolle Umgang nicht vorhanden käme eine Beziehung wohl kaum zustande. Und: würde unser bemühendes Verhalten dieser ersten Phase einer Beziehung ewig andauern, wäre mein Blogartikel hier wohl schon zu Ende.

 

Und ehe man sich`s versieht - beginnt die nächste Phase der Beziehung

Wir erkennen Fehler und Schwächen des Partners und sind unangenehm überrascht. Die blinden Flecken in unserem Auge verschwinden allmählich und wir bemerken immer mehr Eigenschaften und Verhaltensmuster, die uns widerstehen und oft fragen wir uns, wie wir dies zu Beginn übersehen konnten. Nun besteht die Aufgabe, an der Beziehung zu arbeiten und den Partner mit all seinen Schwächen und Fehlern zu akzeptieren und trotzdem weiterhin respektvoll zu sein und ihn nicht zu verurteilen. Wir gehen Kompromisse ein. Meist zieht sich diese Phase der Beziehung bis ins zweite Jahr. Lässt der Respekt zu sehr nach, steht bereits die Trennung vor der Tür. Geht die liebevolle Achtung bereits jetzt verloren, wird die Beziehung gefährdet.

Gerade jetzt ist wichtig, dass wir über die Phasen einer Beziehung Bescheid wissen und uns quasi vorgewarnt bewusst werden, dass wir mit jedem Partner an diese Grenzen stossen würden. Begehen wir nun den Fehler, den Partner ständig zu kritisieren, werden wir ihn über lang oder kurz verscheuchen.

 

Wenn der Respekt nachlässt

Viele Paare werden irgendwann im Laufe der Beziehung respektloser und herabwürdigender, denn Respekt ist anfällig gegen Routine. Dabei lässt sich der konkrete Zeitpunkt, an dem der Respekt abhanden gekommen ist, selten feststellen, da es ein schleichender Prozess ist. 

Der Status Quo breitet sich fast unbemerkbar aus und oft merken wir dann nicht, wie wir den Respekt mehr und mehr verlieren: Wir fallen einander ins Wort, schneiden einander Sätze ab, hören nicht mehr richtig zu. 

Häufig fällt Partnern kaum auf, wie unhöflich und abfällig sie sich dann verhalten - sie schlittern einfach irgendwie unbewusst in ein minder wertschätzendes Verhalten und behandeln die Menschen, die wie am meisten lieben, oft mit überraschend wenig Respekt. 

Manchmal fällt dann ein zwar witzig gemeinter, jedoch herablassender Spruch vor Freunden über irgendwelche negative Eigenschaften des Partners, der dann vor den Kopf gestossen und verletzt ist. Winkt der Partner dann genervt ab, wenn man ihn darauf anspricht, ist das Niveau der Beziehung bereits gesunken. 

Viele Paare gewöhnen sich an einen unhöflichen Umgang miteinander und halten diesen Umgang auch für völlig normal. Sie vergessen, wie es zu Beginn der Beziehung war, schliesslich sind sie kein verliebtes junges Paar mehr. Vielleicht haben sie ein Haus gekauft, haben Kinder grossgezogen, ein paar Höhen und Tiefen durchgestanden und können sich vielleicht ein Leben ohne den Partner nicht vorstellen. Und doch hat der Umgangston einen negativen Beigeschmack erhalten, der irgendwann da war und an den man sich gewöhnt hat. 

 

Wie zeigt sich der Respekt? 

- im sprachlichen Umgang

Zu Beginn der Partnerschaft werden oft viele Kosewörter verwendet. Geht der Respekt verloren, sind herablassende Bezeichnungen oder gar Fluchwörter gefallen. Kritik, Nörgelei, Herabwürdigungen, Kränkungen oder Beleidigungen kommen vor und zerstören die Harmonie über kurz oder lang.

 

-wie über den Partner gesprochen wird

Am Anfang schwärmen Verliebte in den höchsten Tönen von ihrem Partner vor, später beschweren sie sich vielleicht, machen ihn gar schlecht und bemängeln ihn.

 

-im Umgang

Während zu Beginn das Verhalten zuvorkommend, hilfsbereit, achtsam und aufmerksam gegenüber des Partners war mit der immerwährenden Bereitschaft, jederzeit zur Hilfe zu stehen, macht sich eine gewisse Ignoranz bemerkbar, eine Gleichgültigkeit oder gar eine direkte Respektlosigkeit. Beispiele: Einander ins Wort fallen, ungefragt die Post öffnen oder gemeinsame Entscheidung zu treffen, Wünsche ignorieren, etc. 

 

-In alltäglichen kleinen Dingen

Wenn sich in Details zeigt, dass der Partner sich nicht mehr so um das Wohlbefinden des Partners kümmert und vor allem die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellt, gegenüber dem Partner jedoch auch intolerant und verständnislos wird. Beispiele: nicht mehr fragen, was der Partner gerne im TV schauen möchte, sondern davon ausgehen, dass sowieso Fussball geschaut wird. 

 

Was macht eine stabile Ehe aus?

In stabilen Ehen kommen Mann und Frau nicht einfach "miteinander klar", sondern teilen ein tiefes Gefühl von Sinnhaftigkeit. Gegenseitiges Unterstützen der Wünsche und Hoffnungen des anderen verursachen eine sinnvolle Atmosphäre des gemeinsamen Lebens. Die Partner ehren und respektieren einander. Gelingt es in einer Ehe nicht, den Respekt aufrecht zu erhalten, führt dies dazu, dass Paare in sinnlose und schier endlose Streitereien geraten und sich dann isoliert und einsam fühlen. 

 

Warum verlieren wir den Respekt? 

Wie kommt es, dass wir die Menschen, die wir am meisten lieben, oft schlechter behandeln als völlig Fremde? Weshalb können wir völlig verständnisvoll reagieren, wenn ein Kollege sich verspätet, beim eigenen Partner jedoch gereizt und herablassend reagieren, wenn er es tut?

Die Hamburger Verhaltenstherapeutin P. Ohlsen-Andresen erklärt: "Weil wir glauben, es uns leisten zu können, und weil wir im Beruf oft so gestresst sind, dass wir nicht auch noch an unserer Beziehung arbeiten wollen. Wir halten die Liebe für einen Selbstgänger. Aber sie ist nicht so strapazierfähig, wie wir sie gern hätten. Und es sind häufig nicht die grossen Vertrauensbrüche, wie Fremdgehen, die sie kaputt machen, sondern die Anhäufung vieler kleiner Dinge."

 

In den kleinen Dingen liegt das Glück

Es sind dies die kleinen sich häufenden Lieb- und Achtlosigkeiten, die sich in einer Beziehung oder Ehe nach und nach einschleichen. Und so findet Mann oder Frau sich möglicherweise irgendwann vor dem Fernseher essend, jeder für sich, kaum miteinander sprechend. Der Mann schläft oft auf dem Sofa ein, während die Frau schon ins Bett geht. Beim Frühstück liest jeder die Zeitung, die Stimmung ist bedrückend und merklich bei einem hartnäckigen Tiefpunkt stehen geblieben. Wenn der Ehemann dann noch genervt von der Arbeit heimkehrt und an der Frau herumnörgelt, müsste der Notstand der Ehe erklärt werden.

 

Raus aus dem Status Quo! Liebe muss man sich verdienen

Mit Beziehungen ist es wie mit dem Älterwerden - über Jahre und Jahrzehnte geschehen Änderungen schleichend, und wir können lange verdrängen, dass nichts mehr ist, wie es einmal war. "Wenn wir eine Beziehung anfangen", sagt Ohlsen-Andresen, "dann halten wir gegenseitiges Vertrauen, Achtung und Fairness für selbstverständlich, und wir glauben, dass wir all das verdient haben. Aber das stimmt nicht: Liebe muss man sich verdienen. Jeden Tag aufs Neue. Wir müssen aufmerksam sein, hinhören, hingucken. Man darf nie nachlassen und muss seinen Partner behandeln, wie man selbst von ihm behandelt werden will."

 

Die Goldene Regel

Womit wir wieder bei der Goldenen Regel angelangt sind: dem Standard für Verhalten, in fast jeder Kultur der Welt anzutreffen. "Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest." Wenn wir diese Regel überall anwenden, besonders in der Beziehung, führt dies unweigerlich zum Erfolg und fördert das Wachstum beider Menschen. Dies erfordert Einsatz, emotionale Zurückhaltung, und kann mitunter sehr anstrengend, jedoch höchst lohnenswert sein! Möchten Sie liebevoll behandelt werden, tun Sie es - ZUERST! Möchten Sie respektvoll behandelt werden, tun Sie es - zuerst. 

Alles, was wir uns wünschen, ist möglich. In EINER Beziehung. Alles, das Sie sich wünschen - tun Sie es und tun Sie es zuerst. Hartnäckig, ohne nachzulassen. Die Liebe ist etwas Kostbares, das es zu pflegen gilt, tagaus, tagein. Ist man sich bewusst, dass sich das "Selbstverständlich nehmen", der "Status Quo", das Nachlassen grosser Gefühle irgendwann einschleichen können, sind wir uns eben bewusst und können uns mit einer Extra-Portion Verständnis, Liebe und Nachsicht wappnen. Sobald wir etwas jedoch für selbstverständlich nehmen, müssen wir damit rechnen, dass es sich verabschiedet. 

 

Die Beziehung pflegen

Jede Beziehung muss gepflegt werden, tun wir das nicht, geht sie ein. Dafür muss unsere Trägheit überwunden werden, immer wieder. Die Liebe ist nicht einfach da um gefühlt zu werden, sondern wir sollten sie auch aktiv ausdrücken. 

 

Die Innere Stimme sagt uns, wenn es falsch läuft

Wenn wir also auf dem Sofa sitzen und frühstücken - und die innere Stimme uns sagt, dass es doch besser wäre, die Zeitung abzulegen und mit dem Partner ein paar schöne Worte zu wechseln - dann sollten wir auf diese Stimme, unser Gewissen, hören und handeln. 

 

Nicht warten, bis der andere etwas tut

Wir können lange warten, bis der Partner etwas tut. So werden wir bestimmt keine erfolgreiche, glückliche und vor allem lange währende Beziehung führen. Wir sind - auch für unseren Partner - alle Vorbilder. Sieht der Partner an unserem Beispiel, dass wir uns anstrengen, uns um ihn bemühen und uns kümmern, auch noch nach Jahren der Beziehung oder - nach einer langen Flaute - WIEDER bemühen, so wird er wohl positiv reagieren und bemerken, dass auch er sich wieder anstrengen sollte. 

 

Negative Muster erkennen

Wir können die Muster gegenseitiger Respektlosigkeit erkennen und wir sind auch fähig, diese zu beheben:

  • Arbeiten Sie an sich selbst und an Ihrem Verhalten - seien Sie höflich, zuvorkommend, aufmerksam und liebevoll
  • Beaufsichtigen Sie nicht das Verhalten Ihres Partners, sondern konzentrieren Sie sich auf Ihr eigenes Verhalten und behandeln Sie Ihren Partner so, wie Sie behandelt werden möchten (Goldene Regel). Die Versuchung, das Verhalten Ihres Partners zu bewerten und korrigieren ist zwar gross, doch halten Sie durch. Er wird sich ändern!
  • Üben Sie sich in Toleranz und Wertschätzung. Wenn Sie Stärken des anderen erkennen, würdigen Sie diese. Zeigen Sie Dankbarkeit für positive Handlungen Ihres Partners, Sie werden erstaunt sein, wie positiv er darauf reagieren wird.
  • Kontrollieren Sie Ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen und streben Sie danach, positiv auf allen Ebenen zu sein. Es wird natürlich nicht immer gelingen, doch streben Sie AUFWÄRTS und ALLES, nicht nur Ihre Beziehung wird sich schlagartig verbessern!
  • Werden Sie sich bewusst: Respekt kennt nach oben keine Grenzen! Sie zeigen nie zu viel Respekt. Haben Sie keine Angst vor unerforschten Höhenflügen einer glücklichen Beziehung und geben Sie immer Ihr Bestes, als hätte die Beziehung erst begonnen.
  • Machen Sie einen Schritt zurück und beobachten Sie sich selbst. Das hilft immer.

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