Freundschaft - ein Schlüssel für ein glückliches Leben

Freunde können das Leben verlängern, dies haben Studien gezeigt. Doch bereits die antiken Philosophen waren davon überzeugt, wer keine Freunde hat, hätte auch kein gutes Leben. Zweifellos definiert sich der Mensch im Rahmen sozialer Beziehungen und Werten der Gesellschaft. Als soziale Wesen sind wir Menschen auf Beziehungen zu anderen Menschen angewiesen. Wären wir sonst gleichzeitig und nebeneinander auf diesem Planeten inkarniert, wären wir allesamt völlige Einzelgänger?

 

Der Mensch als soziales oder nicht soziales Wesen?

wahre FreundschaftWissenschaft und Gesellschaft sind sich einig: Erst in der Gemeinschaft, durch sein sich Kümmern erfährt der Mensch überhaupt seine Menschlichkeit.

Einige Wissenschaftler sind gegenteiliger Überzeugung, dass der Mensch nämlich kein soziales Wesen, sondern ein vernünftiger Mensch sei, der sich für Handlungen entscheidet, deren Ergebnisse für ihn einen Nutzen bringen würden. Sozial handeln würde der Mensch oft nur dann, wenn sein eigener Nutzen erst sichergestellt sei. Der Mensch werde also durch seine Vernunft angetrieben, wobei der Begriff Vernunft auch wieder individuell ist. Wenn sich dann das Soziale für den Menschen lohnt, verhalte er sich sozial.

Bereits im frühen Kindesalter zeigen sich Vorlieben für andere Kinder, wobei das lässige Spielzeug des anderen Kindes ihr Interesse beeinflusst. 

 

Freundschaften in der Pubertät

Besonders in der Pubertät sind Freundschaften mehr an die Person gekoppelt und andere, neue Aspekte wie Ähnlichkeit und Vertrauen sowie Vertrautheit werden wichtig. Die Freundschaft selbst erhält in der Pubertät mehr Gewicht. Jugendliche auf der Suche nach ihrer Identität wollen sich von den Eltern abgrenzen und sammeln Erfahrungen im Freundeskreis.

Dabei haben Mädchen intensivere Beziehungen zu ihren Freundinnen, da sie früher als Jungen ein Gefühl der Nähe entwickeln. Wenn es dann zu einer Krise kommt, ist dafür bei Mädchen auch das Drama grösser. Freundschaften unter Jungen dagegen sind etwas oberflächlicher und dauern insgesamt länger, da sie weniger emotional auf Krisen reagieren.

Während der Pubertät kommen gleichgeschlechtliche Freundschaften häufiger vor, während gegengeschlechtliche Freundschaften fragiler sind, da gerade in der Pubertät die Sexualität erwacht und eine Rolle zu spielen beginnt. Wenn dann, was sehr häufig geschieht, die eine Person mehr Gefühle entwickelt, verändert sich die Freundschaft stark und wird dann im schlimmsten Falle abgebrochen. 

 

Freundschaft im Erwachsenenalter

Im Erwachsenenalter hingegen steuern Menschen ihr Verhalten bewusster.

Bestimmt haben auch Sie vielfältige Erfahrungen mit unterschiedlich sozialem Verhalten anderer Menschen beim Anstehen in einer Schlange im Warenhaus gesammelt. Im deutschen Sprachraum sind die Menschen nicht so "sozial" trainiert wie die Engländer, welche total diszipliniert sind im Schlange stehen, und sich niemals vordrängen würden!

Dort wird allerdings (nach meinen persönlichen Erfahrungen) bereits in der Grundschule dieses Stehen in Reih und Glied täglich geübt.

 

Der Mensch entscheidet selbst, wieviel "Freund" er sein will

Für eine wahre Freundschaft braucht es einmal von beiden Seiten das Interesse für die Gedanken und Erfahrungen des Gegenübers und den Wunsch, sich mit dem anderen auseinanderzusetzen. Es geht um Teilen, um ein Gefühl der Zugehörigkeit, um eine Gegenseitigkeit, eine Bewunderung, den Respekt, um Vertrauen und gegenseitige Unterstützung.

Ist dieses grundlegende Interesse nicht da, wenn Sie einem fremden Menschen begegnen, Bekanntschaften machen oder wenn Sie versuchen, Freunde zu finden, und es einfach nicht Klick macht, passiert also nichts. Es braucht das gewisse Etwas, das einander verbindet. Sieht ein potenzieller neuer Freund nicht dieselben freudigen Reize im Gegenüber, bleibt unwahrscheinlich, ob sich etwas Tieferes daraus entwickeln wird.

Um eine gute Freundschaft aufzubauen braucht es gegenseitige Offenheit, um beim Gegenüber Vertrauen zu schaffen. Je mehr wir auf Menschen zugehen, desto mehr Kontakte entstehen und desto mehr Freundschaften können geschlossen werden. Dies kann natürlich alles trainiert werden. 

 

Gemeinsame Reize oder Interessen

Die landläufige Meinung besagt, mit guten Freunden hätten wir viel gemeinsam. Ähnliche Interessen und Charakterzüge spielen jedoch nur eine Nebenrolle. 

Zwar entstehen Freundschaften häufig aus einem gemeinsamen Hobby oder Interesse, oder die Menschen kommen in derselben Lebensphase (Jugend, Eltern, Rentner) zusammen, haben ähnliche Hintergründe und Kulturen und schliessen sich zusammen. Eine wichtige Rolle spielt ausserdem der Aspekt der Ähnlichkeit: Zwei schüchterne Menschen finden sich eher, da sie sich ineinander hineinversetzen können. 

Macht man neue Bekanntschaften kann eine Freundschaft gelegentlich wie ein Blitzschlag eintreffen - Es macht Klick und zwei neue beste Freunde haben sich gefunden.

Psychologen haben jedoch zahlreiche weitere Regeln entdeckt, nach denen wir Freundschaften knüpfen, pflegen oder beenden.

 

Wie entstehen Freundschaften?

Räumliche Nähe als erster Faktor

Der häufigste Faktor für Begegnungen und somit Chancen für Freundschaften ist räumliche Nähe. So kamen zahlreiche Studien zum ernüchternden Ergebnis, dass es nicht vom Zufall abhängt, sondern absehbar ist, wer sich mit uns anfreunden wird: Die Kollegen am Arbeitsplatz, der Mitstudent, der Nachbar. Ein flüchtig bekannter Mensch wird umso sympathischer für uns, je häufiger wir ihn sehen, ausser man kann sich von Anfang an nicht ausstehen. 

 

Kontakthäufigkeit als zweiter Faktor

Der zweite Faktor ist also die Häufigkeit der Kontakte. Unser Gehirn kann leichter verarbeiten, was wir gut kennen, und so wird Vertrautes als belohnend empfunden. 

 

Stimmt die Chemie?

Dann wäre da noch die Chemie, die stimmen muss. Gewisse Gemeinsamkeiten wie das Alter, eine ähnliche Situation, die Herkunft, Interessen oder Einstellungen geben einem das Gefühl, auf derselben Wellenlänge zu sein. Interessant ist jedoch das Paradoxe daran, nämlich dass sich Persönlichkeiten von engen Freunden gar nicht sehr ähneln - wenn man befreundet ist, wird dies lediglich so empfunden.

 

Wie schnell entsteht eine Freundschaft? 

Wie bei der Partnersuche entwickelt sich in der Regel eine Freundschaft, wenn jede Person mehr und mehr über sich preisgibt. Gemäss Untersuchungen dauert es ungefähr 50 Stunden, um vom blossen Bekannten zum zufälligen Freund zu werden. Weitere 90 Stunden später erlangt man dann den Status eines normalen Freundes. Und nach weiteren ungefähr 200 zusätzlichen Stunden entwickelt sich eine sogenannt "enge Freundschaft". Die meisten Beziehungen brauchen Zeit, um wirklich tiefgreifend zu werden. (Quelle: Hellman).

 

Wie lange bleiben Freundschaften bestehen?

Gemäss Studien kommen feste, lebenslange Freundschaften, die von der frühen Kindheit bis ins hohe Alter bestehen, relativ selten vor. Dies, aufgrund der Ereignisse, die unser soziales Geflecht verändern: Wir beginnen ein Studium, beenden es, wechseln den Job oder den Wohnort. Während der Schulzeit aufgebaute Freundschaften flauen beim Schulwechsel oft ab, neue Freundschaften entstehen im Studium. Ein Leben lang verändert sich sowohl der Kontext, in dem wir leben, als auch wir selbst. Teilweise pflegen wir Zweckfreundschaften, besonders im Berufsleben oder in Gemeinschaften, wo man voneinander abhängig ist oder voneinander profitieren kann. 

 

Beste Freunde - Qualität statt Quantität, oder: Wie viele Freunde tun uns gut? 

Die durchschnittliche Anzahl an Freunden auf Facebook lag 2017 bei 338 Freunden. Laut dem Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest ändert dies jedoch nichts daran, dass ein Mensch durchschnittlich nur ein bis zwei beste Freunde und höchstens fünf wirklich enge Freunde habe. Im Schnitt kommt eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Universität Chemnitz sogar auf knapp drei Kontaktpersonen, mit denen wir unsere persönlichen Gedanken und Gefühle teilen würden. Followers oder Facebook-Freunde werden nicht als "wahre Freunde" wahrgenommen, was leicht verständlich ist, denn diese virtuelle Welt ist mit der realen Welt des direkten Kontaktes einfach nicht zu vergleichen. Trotzdem ist erstaunlich, wie tief die Gesellschaft teilweise sinken kann, wenn man bedenkt, wie viele Herzen gebrochen werden, ohne dass zwei (meist jugendliche) Menschen sich je real begegnet sind!

 

Faktor "Bester Freund"

Eine Längsschnittstudie in Washington, bei welcher Studenten während eines Jahres ihre gleichgeschlechtlichen Freundschaften bewerteten, brachte ein überraschendes Kriterium für die Wahl des "besten Freundes" zu Tage:

Aufgrund der erlebten Nähe, der Kontakthäufigkeit so wie der gegenseitigen Unterstützung liess sich berechnen, welche Freundschaften langfristig (über Jahre) Bestand hatten. Nur ein einziger Faktor war jedoch dafür ausschlaggebend, wer vier Jahre später als "bester Freund" bezeichnet wurde: das Gefühl, vom Gegenüber in der eigenen Identität angenommen, anerkannt und bestätigt zu werden.

 

Vorteile von Freundschaften:

  • Freunde helfen dabei, Stress zu reduzieren und glücklicher zu sein
  • das Selbstbewusstsein erhöht sich
  • emotionale Unterstützung in schwierigen Zeiten
  • man verspürt weniger Schmerzen, wenn man Freunde hat
  • wir geben besser auf uns acht
  • Sogar das Herz wird gestärkt: In einer Studie wurden 1000 Menschen getestet, die unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung litten. Innerhalb von fünf Jahren starb die Hälfte der Probanden, welche keine Freunde hatten, während 85% derjenigen, die Freunde hatten, noch am Leben blieben
  • Freundschaften verlängern unsere Lebenserwartung: 2010 wurde eine Studie mit 300`000 Probanden erhoben mit den Ergebnissen: Bis dato wurde bei jeder durchgeführten Studie ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Einsamkeit und dem Tod aufgezeigt. Menschen mit Freunden hatten eine höhere Lebenserwartung. 
  • Freundschaft beugt Fettleibigkeit vor: Eine Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift Annals of Behavioral Medicine, besagt, die Freundschaft sei ein sehr wichtiger Faktor, wenn es um die Kompensation von Gefühlen gehe, so sehr wie Essen. Menschen mit Freunden würden normalerweise nicht zwanghaft essen.
  • Freundschaften verbessern unseren Scharfsinn: Durch zwischenmenschliche Interaktion werde unser Gehirn stimuliert, beispielsweise würden Konversationen oder über Meinungen nachzudenken die Gehirnaktivität verstärken. Schottet man sich von der Aussenwelt ab, lassen die kognitiven Fähigkeiten nach. Verstärkt noch ist dies bei psychisch erkrankten Menschen zu erkennen: Die Isolierung ist einer der Auslöser mentaler Erkrankungen und die Freundschaft ist einer der Faktoren, der am stärksten zur Heilung beiträgt. 

 

Gebote der Freundschaft

  1. einander in guten wie in schlechten Zeiten helfen
  2. sich Zeit füreinander nehmen, den Kontakt halten
  3. Gedanken und Gefühle austauschen
  4. Schweigepflicht wahrnehmen - Anvertrautes für sich behalten
  5. einander aufmuntern
  6. einander bestätigen
  7. zuhören
  8. einander trösten
  9. einander in Schutz nehmen
  10. Neuigkeiten teilen
  11. einander beraten
  12. gemeinsam etwas unternehmen
  13. einander aufstellen, miteinander scherzen
  14. negative Kommentare vermeiden
  15. die Freiräume, andere Freunde und Partner respektieren

 

Wenn Freundschaften auseinander gehen - kann man sie retten?

Nicht alle Freundschaften sind es Wert, dafür zu kämpfen. Ein guter Massstab dafür ist, heraus zu finden, ob die Freundschaft aufbauend ist oder ob sie einen herunterzieht. Auch wichtig ist nicht nur, ob jemand für uns von Nutzen ist, sondern ob er bereit ist, von uns etwas Positives zu empfangen. Freundschaft heisst Geben und Empfangen, bedeutet gegenseitiges "Hochschaukeln", das Beste aus dem andern heraus zu holen, einander zu fördern.

Ganz wichtig ist beim Retten einer Beziehung, einander Fehler zu verzeihen. Ohne Vergebung kann Freundschaft nicht bestehen. Dies immer wieder bewusst zu üben ist ganz wichtig, damit negative, verurteilende Gedanken eine Freundschaft nicht trüben können.

Freundschaft hört nie auf - sie kann wie alles andere im Leben auf eine immer höhere Qualität trainiert werden. Moralische Aspekte wie Dankbarkeit, Ehrlichkeit, Respekt, Toleranz haben nach oben hin keine Grenzen. Eine Freundschaft kann wie eine Beziehung immer schöner werden. Es ist immer eine Frage des Bewusstseins und ob wir auch offen sind dafür, dass die Qualität einer Freundschaft noch besser werden kann. 

 

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