Liebesbeweis – kann man Liebe beweisen?

Wie soll man Liebe beweisen? Warum werden Liebesbeweise gefordert? Darf man Liebesbeweise fordern, soll man sie fordern und was wäre da angebracht? Diese Fragen können nicht oder nur unzulänglich beantwortet werden, wenn wir die heutigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht berücksichtigen. Sie sind für die folgenden Ausführungen dermassen zentral, dass ich damit beginne.

Beziehungsmässige Unverbindlichkeit und sexuelle Beliebigkeit

Mann und Frau im LiebesbeweisDie gesellschaftliche Unverbindlichkeit in Beziehungsangelegenheiten ist enorm. Das beginnt nicht – und hört auch nicht auf – mit der Tatsache, dass ca. 50% aller Ehen mittlerweile geschieden werden. Vielmehr wird auch ausserhalb der Ehe eine Ungewissheit und Unverbindlichkeit sichtbar, die uns – oft unbemerkt – bis ins Mark treffen kann. Wir wissen einfach nicht mehr, was gilt. «Freundschaft plus»-Beziehungen, was so viel wie «Freundschaft» in Kombination mit Sex bedeutet, ohne eine «Beziehung», «unkomplizierter» Sex ohne «Beziehungswirrwarr» wie die Plattform Tinder anbietet, der befremdliche exhibitionistische Wettbewerb um die Bachelors und Bachelorettes, Live-Sex in «Love Island»; dazu Pornographie en masse, die insbesondere – aber nicht nur – von Männern konsumiert wird, oft verbunden mit Masturbation und mittelfristiger Impotenz in der Partnerschaft.

Helfen könnte und kann da nur ehrliche Kommunikation um Klarheit zu schaffen über die gegenseitige Ausrichtung, Verbindlichkeit, Prioritäten und Perspektiven. Nur: Wie ehrlich ist das Gegenüber? Der Dauerwettbewerb auf Instagram und Facebook, in dem das eigene Leben oft nur bruchstückhaft, gleichermassen «Rosinenpickerei» im eigenen Leben, und dazu noch frisiert wiedergegeben wird, schafft und fördert ein Klima von Unehrlichkeit. Die Filmindustrie lebt es vor. Es gibt kaum einen Unterhaltungsfilm, in dem nicht gelogen wird – «white lies» oder Notlügen sind gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, sondern sie werden zur Norm. 

Die Forderung von Liebesbeweisen als Konsequenz

Wo moralische Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Zurückhaltung, Dankbarkeit nicht mehr als Fundament vorhanden oder brüchig sind, wird menschliches Zusammenleben tendenziell angstvoll. Dass man sich im hochsensiblen Bereich der Beziehungen, die ein grosses Engagement erfordern, wenn man es ernst nimmt, ein Bedürfnis nach Sicherheit im Sinne einer Gegenseitigkeit besteht, ist demzufolge höchst verständlich – wenn auch nicht zielführend. 

Pseudo- und wirkliche Liebes-«beweise»

Das strukturelle Problem des Liebesbeweises besteht darin, dass Liebe über Gefühle spürbar ist und Gefühle schwer zu beweisen sind. Äussere Taten sind wie eine andere Währung, es ist für viele nicht letztlich das, was das Gewicht eines Beweises hat. Nein, so etwas wie einen Liebesbeweis gibt es nicht. Was es hingegen gibt oder geben kann, ist Ehrlichkeit und darauf aufbauend Vertrauen. Respekt und Zurückhaltung sind ebenfalls zentrale Elemente. Wenn dies gegeben ist, aufrechterhalten wird, mit einer Verbindlichkeit – dass man nicht bei der ersten «Schwierigkeit» davonrennt, dann «beweist» das bis zu einem gewissen Grade Liebe. Das schliesst intensive Gefühle – gerade auch in der Sexualität – nicht aus, sondern ist deren Grundlage!

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